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Früher machte man sich fein. Auch, wenn es ins Grüne ging. Zumindest, wenn das „Grün“ mitten in Hannover lag und eine urbane Waldlandschaft mit geschwungenen Pfaden, breiten Flanierwegen und sogar einigen durchgehenden Achsen für Pferde und Wagen war: Die Eilenriede. Fotos zeigen Besucher bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als herausgeputzte oder jedenfalls selbstbewusste Städter: Da wurden die lieben Kleinen im gestärkten Sonntags-Staat an der Hand spazierengeführt oder im Kinderwagen präsentiert – Mutti und Vati davor im Kostüm mit Handschuhen und Hut oder im schnittig-einreihigen Anzug und blank gewienerten Schuhen. Ja, die Eilenriede machte was her – und wer da wohnte und dort spazieren gehen konnte, auch.

Heute zirkulieren immer noch Kleinfamilien, lassen sich überholen von gestählten Walkerinnen-Gruppen und Joggern, die taub sind für das Geflöte der vielen Singvögel: Der durchoptimierte Städter von heute trägt Signalfarben und lässt sich von seiner Fitness-App die Trainingspläne einflüstern, folgt Lob und Tadel auf den immer noch verwunschenen Wegen – während nebenan der Durchgangsverkehr braust.

 

Und der EILENREADER?

Ein Kunstwort. Bestehend aus dem „READER“ und „EILEN“. Eilen – nicht von Hasten, sich beeilen, vorwärts rasen – sondern von der Eilenriede, dem hannoverschen Stadtwald, der sich im Mittelalter bis ins 60 Kilometer entfernte Braunschweig erstreckte und heute noch einen großen Teil der Stadtfläche ausmacht. Die „Eilen“, das waren „Ellern“, also Erlen, die anmutigen Baumgrößen, die jedem Hain etwas Urbanes, Luftiges geben (und heute in der Landschaft des Stadtwaldes in der Minderheit sind).Die „Riede“, die wir zum „Reader“ gebogen habe, bezeichnet eigentlich ein „Ried“, also sumpfigen Boden, jenen Grund, auf dem die „Ellern“ am besten gedeihen.

Die Geschichte der Stadt Hannover und ihre Geschichten, die teils prachtvoll sind, teils nur auf wirklich verflixt sumpfigem Boden gediehen und gedeihen, haben uns Studierende und Lehrende der Hochschule Hannover inspiriert. Angehende Journalisten und Fotografen treiben sich „Nächtens“ oder „Hausen(d)“ durch die Stadt, suchen Seltsames, Alltägliches und Wunderbares und bündeln es in entsprechenden Ausgaben des Online-Magazins. Viel Vergnügen!