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Nachts im Museum

Ausstellungsschätze sind so still wie ihre Bewunderer. Sie regen sich nicht, geben keinen Laut von sich. In der Dunkelheit ruhen sie, aber wehe, es gibt Störungen.

Krok kauert hinter Glas. Vier Wände grenzen ihn ein. Würde er sich bewegen, stieße er sich. Tagsüber mustert er die unseligen Zweibeiner, alle starren ihn an. Manche Augen haben Rahmen, das sieht für ihn aus, als verdoppele sich ihr Blick. Manchmal bewegen sie die Lippen und sondern geheimnisvolle Laute in fremden Sprachen ab. Krok bewegt sich nicht, er kann nicht, er will nicht. Bricht die Nacht herein, ist er froh, dass sie weg sind.

 

Endlich ist es dunkel. Plötzlich vernimmt Krok lautes, dröhnendes Brummen. Er kennt das Geräusch. Es ist, was aus den Zweibeinern hervorbricht, oben aus dem Kopf, aus der kleinen Öffnung, wo Krokodile ein Maul haben. Häufig krümmen sich dann ihre Münder ruckartig, sie schnappen und japsen, ihre Augen flimmern dabei. Manche schlagen auf ihre Schenkel, andere halten sich den Magen. Aber da ist kein Zweibeiner. Das Geräusch kommt von oben. „Was ist das?“, fragt sich Krok. Er fühlt sich unsicher. Das Brummen wird lauter, kommt und geht. Zweifel entern seinen Schädel, Panik macht sich schließlich breit. Er muss weg – weg vom Präsentierteller!

Krok flüchtet, vorbei an Terrarien, starren Pelzen und Gefiedertem. Lange hat er diese Gestalten nicht gesehen. Doch dafür ist keine Zeit, er muss weg. Von der Wand ragt ein Dinosaurierschädel in den Raum. Er fletscht seine überdimensionalen Stoßzähne. Der da an der Wand könnte Kroks großer Bruder sein, fürchten würde er sich trotzdem. Auch Brüder sind hungrig. Er ächzt weiter, hin zum Licht. Das Brummen wird lauter, aber Krok stoppt nicht. Er ahnt, dass es der einzige Weg aus der Falle ist.

Im Licht hält er an, seine Schwimmhäute quietschen über den Boden. Links ist eine Tür. Zweibeiner stol- zieren davor entlang, kein Ausgang für Krok. „Es muss einen anderen Weg geben“, hechelt er und krabbelt die nahe Treppe hoch. Links und rechts sind Tore, eine nächste Treppe führt weiter hoch, das Brummen ist noch lauter. Krok erkennt Stimmen durch die Geräusche, Zweibeiner müssen oben lauern. Er biegt nach links.

Krok schlängelt vorbei an Wänden und Glaskästen voller Gekünsteltem, der Geräuschpegel wird schwä- cher. Rechts von ihm öffnet sich plötzlich ein Tor. Er driftet hindurch, seine Klauen scharren, die Tür fällt zu. Vorbei geht es an Dingen, die er noch nie gesehen hat: ein Schiff, ein Zweibeiner, dem Metall überzogen wurde und noch mehr Glaskästen. Krok wird mulmig zumute, er weiß kaum, was ihn umgibt.

Hinter ihm klackt das Schloss, die Tür knarzt. Krok hetzt los, Panik schüttelt seinen kompletten Panzer. Nie hat er so etwas verspürt, er verlässt sich ganz auf seine Instinkte. Er folgt einem Rundgang, der vorbei führt an lauten Instrumenten und, schon wieder, zehnfachen Glaskästen. Krok schafft es kaum mehr, um Ecken zu biegen, so schnell ist er. Lautes Quiet- schen und nagendes Scharren begleiten ihn durch die langen Korridore. Er denkt nicht darüber nach; wie laut er im Moment ist, blendet es völlig aus. Er muss weiter, weg von Schritten, die immer schneller und lauter werden.

Krok schlängelt vorbei an Wänden und Glaskästen voller Gekünsteltem, der Geräuschpegel wird schwä- cher. Rechts von ihm öffnet sich plötzlich ein Tor. Er driftet hindurch, seine Klauen scharren, die Tür fällt zu. Vorbei geht es an Dingen, die er noch nie gesehen hat: ein Schiff, ein Zweibeiner, dem Metall überzogen wurde und noch mehr Glaskästen. Krok wird mulmig zumute, er weiß kaum, was ihn umgibt.

Hinter ihm klackt das Schloss, die Tür knarzt. Krok hetzt los, Panik schüttelt seinen kompletten Panzer. Nie hat er so etwas verspürt, er verlässt sich ganz auf seine Instinkte. Er folgt einem Rundgang, der vorbei führt an lauten Instrumenten und, schon wieder, zehnfachen Glaskästen. Krok schafft es kaum mehr, um Ecken zu biegen, so schnell ist er. Lautes Quiet- schen und nagendes Scharren begleiten ihn durch die langen Korridore. Er denkt nicht darüber nach; wie laut er im Moment ist, blendet es völlig aus. Er muss weiter, weg von Schritten, die immer schneller und lauter werden.

Krok gelangt ans Ende des Rundgangs, rammt mit voller Wucht gegen ein verschlossenes Tor. Es kracht und scheppert, bewegt sich aber keinen Millimeter. Er sitzt in der Falle, die Schritte hinter ihm werden lauter. Er schwenkt um, sein Schwanz gleitet die Tür entlang und berührt etwas Kleines, Rundes. Hinterm letzten Vorsprung schnellt ein Zweibeiner-Stelzen hervor, Krok weicht zurück. Er stößt hinten an, drück sich gegen die… Tür? Er ist verwirrt, nichts am Tor ist plötzlich gerade, alles bauchig und ausgebeult. Er dreht sich um. Ein Zweibeiner blickt ihm in die Augen. Er starrt unentwegt in eine Richtung, bewegt sich nicht. Krok löst sich aus der ersten Schockstarre und schlägt ihn mit voller Wucht. Dabei fällt er nach hin- ten über. Er schlägt weiter um sich, versucht, alles zu bremsen. Er stößt sich, er verspürt Schmerz. Es wabert im Gehör, Glas vibriert an seiner Klaue. Seine Augen sind fest geschlossen. Nach einer Weile wird es still. Sehr still.

Ganz langsam öffnet Krok seine Augen. Er schaut sich um: Krok ist eingeschlossen. Der Kasten begrenzt immer noch sein Dasein. Krok hat geträumt. Aber das Brummen ist weg. Und der Schmerz auch.

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