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Freitag, 23 Uhr, Druckbeginn: Es rattert, rumpelt, zischt, der Geruch von Metall, von Farbe und Staub liegt in der Luft. Halogenes Licht fällt auf die bereits arbeitenden Maschinen, die grauen Riesen, die inmitten der großen Halle stehen. Es herrscht rege Betriebsamkeit, vereinzelt laufen Männer in blauen Overalls durch die Gänge, steigen Treppen hinauf und wieder hinab. 

Im Sekundentakt werden in der Druckerei der Madsack Mediengruppe in Hannover Zeitungen gedruckt, und das seit mehr als 40 Jahren. Eigentlich sollte in der Halle, in der heute mehrere Druckmaschinen verschiedenen Alters stehen, ein Schwimmbad für das Personal der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) entstehen. Daraus geworden ist jedoch nichts. Heute wird an der August-Madsack-Straße 1 nicht geschwommen, sondern gearbeitet. Mehr als 180 Menschen sorgen allein in der Druckerei dafür, dass die Bewohner Hannovers und der Umgebung mit tagesaktuellem Lesestoff versorgt werden. Dazu zählen Offsetdrucker, Schlosser, Auslieferer sowie das Personal für die Vor- und Weiterproduktion der Zeitung. Gemeinsam mit den Journalisten sorgen sie im Schichtbetrieb dafür, dass das Medium mit Leben erfüllt wird. Zum Leben erweckt wird es jedoch erst durch die Druckmaschinen.

Während die Druckplatten eingesetzt werden, werden im Stockwerk darunter die 1,5t schweren Papierrollen in die Maschinen eingelegt. 

Doch wie wird gedruckt? Zuerst muss ein Artikel geschrieben, Bilder müssen bearbeitet, Texte verarbeitet und am Ende Korrektur gelesen werden. Ist das geschehen, wird mit Textblöcken und Werbeanzeigen gelayoutet. Steht das Layout, wird es als PDF gespeichert und in einem speziellen Programm so weiterverarbeitet, dass es digital per Computer auf eine Druckplatte gezeichnet werden kann. Ein Laser brennt hierbei Punkte auf die Platte, die vorne aus Aluminium und hinten aus einer lichtempfindlichen Schicht besteht. In der großen Halle des Druckzentrums wird ab 22 Uhr auf die beschriebenen Druckplatten gewartet. Gedruckt wird mit den vier Hauptfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black – kurz CMYK. Pro bunter Zeitungsseite werden vier Platten benötigt. Sie werden präzise auf die Walze der Druckmaschine gelegt, bis sie einrasten. Von der Druckplatte wird nun auf ein Gummituch – welches sich zwischen Walze und Druckplatte befindet – gedruckt, anschließend direkt auf Papier. „In der Freitagsausgabe drucken wir hier 138.000 Exemplare der HAZ, die Neue Presse kommt auf 50.000“, sagt Offsetdrucker Volker. Pro Nacht werden in

der hannoverschen Druckerei über 20 Tonnen Papier verbraucht. In drei Schichten – Früh-, Spät- und Nachtschicht – wird am Standort in Kirchrode den ganzen Tag über produziert. Nicht nur die HAZ entsteht hier, sondern auch die Neue Presse, die Hildes- heimer Allgemeine und verschiedene Anzeigenblätter wie der Burgdorfer Anzeiger.

Frühschicht, das bedeutet Arbeitsbeginn um 7 Uhr in der Früh. Um diese Uhrzeit werden bereits Vorprodukte für das Wochen- ende oder Beilagen fertiggestellt. Die Spätschicht sorgt für die Wartung der Maschinen, reinigt Zylinder, schmiert Spannvorrichtungen, beseitigt Farbreste und richtet alles für die Nachtproduktion ein.
Druckbeginn ist meist um 23 Uhr. Bereits eine Stunde vorher schlägt die Nachtschicht in der Produktionshalle auf und kontrolliert die Maschinen ein zweites Mal. Nun heißt es warten, bis die Journalisten aus der Redaktion mit ihrer Arbeit fertig sind. Zeit, um Kaffee zu trinken, ein Brötchen zu essen. Gesellig sitzen die Männer in der Schaltzentrale zusammen und unterhalten sich. Nur durch eine Glasscheibe sind sie von den meterhohen, immerzu rumpelnden Maschinen getrennt. Sie erinnern an Vampire, Nachtschwärmer in blauen Overalls. 

Auch „Exoten“, wie die Zeitungen aus anderen Druckerein genannt werden, landen zuerst in der August-Madsack-Straße, bevor sie sich nachts zusammen mit den heimischen Produkten auf den Weg zum Abonnenten machen.

Probleme mit der späten Uhrzeit scheint jedoch niemand zu haben. „Ich mach’ das jetzt seit 32 Jahren, da hat man mit der Nachtschicht nicht mehr zu kämpfen“, erzählt der 62-jährige Rudi. Womit Rudi vielmehr ein Problem hat, ist die Umstellung von der Nacht- auf die Frühschicht, und andersherum. „Angeblich gewöhnt sich der Körper nach drei Tagen an den Rhythmus“, so der Familienvater, „Für mich ist und bleibt das ein Umgewöhnen.“ Der Tagesrhythmus der Männer ist immer durcheinander. „Ich versuche lange zu schlafen“, erzählt Volker, „Aber meine Nachbarn sind dann wach und laut, das muss ich dulden.“ Würde er in der Nacht Lärm machen, sähe die Situation anders aus und die Nachbarn würden die Polizei rufen. Wenn Volker, Rudi und ihre Kollegen zur Frühschicht aufstehen, können sie am Abend vorher nicht vor 23 Uhr ins Bett. „Sonst ist die Nacht schnell vorbei“, lacht Rudi, „Dann lauf ich wie ein Schlafwandler durchs Haus und meine Frau beschwert sich.“ Doch alle wissen: Das gehört zum Job. „War früher ja nicht anders“, sagen sie. Früher. Früher, da waren die Auflagenzahlen noch höher, die Jugend kannte keine Smartphones und die morgendliche Zeitung gehörte an deutsche Frühstückstische. „Heute sind die jungen Leute online unterwegs, sind nur am tippen“, sagt Rudi. Die Jugend wird, ihrer Meinung nach, nicht mehr an die Zeitung herangeführt, wodurch es keinen Nachwuchs für den Beruf des Offsetdruckers gibt. „Unser Handwerk stirbt aus“, ist sich auch Volker sicher, „Wer liest heute noch Zeitung? Unsere Abonnenten sterben weg und Neue kommen nicht nach. Seien Sie ehrlich, haben Sie abonniert?“

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