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Das Universum auf einem Wassertank

 

Erst die Dunkelheit öffnet manchen Leidenschaften die Türen.

Ein Besuch der Volkssternwarte. 

 

Auf dem Tisch in der Mitte des kleinen Gemeinschaftsraumes liegen Karten von Orion, dem großen Waagen und anderen Sternbildern, einige Zettel mit Notizen und eine große Tüte bunter Lakritze von Haribo, in die jeder ab und an mal langt. Ein süßlicher Duft von Früchtetee liegt in der Luft. Einsteins Formel E = mc2 steht schief und in weißer Schrift auf einer der drei Fensterscheiben. Die Lichterkette, die über der Fensterreihe drapiert ist, strahlt in einem warmen gelblichen Licht. Fünf Männer sitzen mit aufgeklappten Laptops vor den Nasen um den Tisch herum und fachsimpeln miteinander. An den Wänden: Poster von Planeten und unserer Milchstraße, daneben Schränke gefüllt mit alten Büchern. Hier kommen einmal in der Woche Lokomotivführer und Architekten, Altenpfleger und Schiffsführer zusammen. Alle teilen das gleiche Hobby – die Astronomie. Das Weltall, elementare Teilchen und Galaxien sind für die Mitglieder des Vereins „Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover e. V.“ genauso wichtig wie für andere der Kaffee am Morgen. Über 100 Mitglieder gehören mittlerweile dazu, etwa 20 von ihnen kommen regelmäßig zu den Treffen. Es ist zwanglos, jeder kommt, wenn er Lust hat und Zeit findet. „Hier geht es sehr wissenschaftlich, zivil und pazifistisch zu – miteinander und untereinander“, erzählt einer der Männer. „Trotzdem herrschen oft Chaos und Eile“, erklärt ein anderer. Nur selten kommen neue Mitglieder dazu. Die meisten beschäftigen sich schon viele Jahre mit der Astronomie. 

Durch das 3000mm-Teleskop der Sternwarte kann man mühelos einzelne Krater auf dem Mond erkennen. Das fasziniert auch noch immer die Mitglieder des Vereins.

Seit der Digitalisierung ist es den Hobbyastronomen auch zunehmend wichtiger, Fotos von dem Gesehenen zu erstellen, die später teils aufwendig bearbeitet werden. 

Peter zum Beispiel, erzählt von seiner ersten Himmelbeobachtung durch einen alten Feldstecher, ein Fernglas, den er aus dem Quelle-Versandhaus hatte – als Stativ diente ihm damals eine Cognac-Flasche. Begeistert zeigt er danach seine neuesten Fotografien vom Merkurtransit. Von der Astrologie, die bestimmte Ausrichtungen der Himmelskörper mit den Schicksalen der Menschen verknüpft, will man hier nichts wissen. „Ein Sternzeichen ist so aussagekräftig wie der Name der Hebamme, die jemanden auf die Welt bringt“, heißt es höhnisch.

Bei den wöchentlichen Treffen diskutieren die Mitglieder aktuelle astronomische Begebenheiten, be- sprechen Organisatorisches oder basteln an den Teleskopen und Kameras herum. Die Hobbyastronomen und ihre Teleskope sind auf dem höchsten Punkt von Hannover Linden zuhause, dem denkmalgeschützten Wasserhochbehälter, dessen Bau 1877 begann. Das Gebäude mit seinen spitzen Türmen und massiven Wänden aus roten Backsteinen erinnert an eine Art Festung. In das eiserne Tor, das den Zugang zu einer grünen Oase gewährt, ist ein Drachenkopf eingelas- sen. Nach einem kurzen gepflasterten Weg und den ersten paar Treppenstufen erreicht man die Vereinsräume. Weiter oben, auf dem Dach des Wassersdepots befinden sich die beiden Teleskopkuppeln des Vereins.

Im Gemeinschaftsraum sitzen die Männer in gemütlicher Runde zusammen und diskutieren.

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