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Alleine in der Kneipe

Die Kneipen der Stadt Hannover sind zu jeder Zeit gut besucht. Besonders in den Abendstunden treffen sich Freunde an den Tresen und trinken gemeinschaftlich ein paar Biere. Sie stoßen auf bestandene Prüfungen, Führerscheine, Verlobungen oder einfach nur das Leben an. Wir haben uns mit den Menschen am Tresen unterhalten, die alleine saßen. Ohne Gesellschaft mit der sie anstoßen konnten, ohne Gelächter und ohne Gesang. Wir haben uns dazugesetzt und einfach mal gefragt, was uns diese Leute über ihr Leben erzählen möchten und richtig nette Menschen kennengelernt. Hier ist die Lebensgeschichte vom 59-jährigen Hartmut.

Der Hannover Hauptbahnhof wirkt leer zu dieser Stunde. Ein paar Menschen gehen noch zu ihren Zügen. Kein Gedränge, keine Menschenmassen, alle Läden haben zu. Nur die Kneipen im Bahnhof sind auch an einem Sonntag Abend noch offen. Die „Sportsbar“ ist ein kleines Etablissement mit nur einem einzigen Raum. Die Luft ist verqualmt – es riecht nach Bier, Zigaretten und vor allem Schweiß. Eine einzige Bedie- nung kümmert sich um die wenigen Kunden, die am Tresen sitzen und trinken. Zwei von ihnen scheinen eine angeregte Unterhaltung zu führen. Ganz vorne sitzt Hartmut, allein. Er ist stattlich, hat einen Schnauzbart, längeres schwarzes Haar und stützt seinen schweren Kopf mit einem Arm auf die Theke. Die Bedienung lächelt ihn an und stellt ihm ein neues Bier hin. Er grinst zurück und nimmt einen großen Schluck. Hartmut ist häufiger in der „Sportsbar“ in Hannover. Er kommt gerne nach der Arbeit noch vorbei und trinkt ein

paar Bierchen. Seit über 30 Jahren arbeitet er bei der Stadt, seit etwa der gleichen Zeit besucht er gerne am Abend noch die Kneipen der Messe-Stadt. Er organisiert und wartet die Kläranlagen in der Region und vermittelt sein Wissen an Auszubildende. Mit 16 Jahren hatte er eine Ausbildung zum Mechaniker angefangen. Damals hat er in einer kleinen Ortschaft gewohnt und kam jeden Tag auf dem Heimweg von der Berufsschule am Gemeindedenkmal vorbei. Da lungerte immer eine Motoradgang herum. Die „Hells Dogs“.

„Ich musste Abends, wenn ich nach Hause wollte, wo sich die Leute getroffen haben, dran vorbei gehen oder einen großen Bogen machen… Weil die gefährlich aussahen. Und da ich von Haus aus nicht schüchtern bin und nicht ängstlich und nicht schwach, habe ich den Weg gewählt und bin da lang gegangen“, erzählt Hartmut.

Sein Mut gefiel der kleinen Gang und sie sprachen ihn an. Er war fasziniert von den Motorädern und trat der Truppe bei. Mit dem Eintritt hat er sich allerdings auch auf einige dumme Sachen eingelassen. Er wurde für Körperverletzung angezeigt, aber nie verurteilt. „Wenn wir irgendwo hingefahren sind, gab es ne kurze Schlägerei. Es hat aber keiner Gegenstände genommen und wenn irgendeiner auf der Erde lag, wurde niemals mit dem Fuß nachgetreten. Wir waren also fair … naja, was heißt fair. Es gab ne gewisse Ehre“, berichtet er und schaut sehr ernst. Er hätte Glück gehabt, wie er es heute formuliert und konnte seine Ausbildung beenden. Danach ging es zur Bundeswehr. Es gab noch Wehrpflicht und der damals 19-jähirge hatte kei- ne andere Wahl. Bei der Bundeswehr war er dann sechs Jahre lang im Trans-All-Projekt. Er hat Flugzeuge repariert und gewartet. Nachdem sein Vertrag ausgelaufen war, bekam der damals 25-Jährige 12 tausend Mark als Abfindung. Von dem Geld erfüllte er sich einen langjährigen Traum und flog in die USA, nach Las Vegas. Die beste Zeit seines Lebens, betitelt er es heute.

Inzwischen ist für Hartmut vieles anders. Er ist in keiner Motoradgang mehr und will keinen Ärger mehr machen. Sei- ner Liebe zu Motorädern ist er aber treu geblieben. „Heute bin ich 59 Jahre alt und habe mir genau so ne Honda, wie ich damals hatte, original restauriert. Baujahr 72… weil ich geistig nie alt geworden bin, nur körperlich“, sagt er stolz. In drei Jahren, so hofft er, könnte er dann in Rente gehen und sich nur noch um sein Motorrad kümmern und vielleicht ein oder zwei Bierchen trinken.

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